M “I” E (Manifest Ironischer Epik)

– Unter dem Vorwand einer ideologischen Entschärfung haben wir alle bis anhin geschriebenen Künstlermanifeste mit ironischen Anführungszeichen versehen und somit uns angeeignet.

– Unsere Stunde – die Stunde der Künstler, die auf widersprüchlichen Universalien basierende Idealstädte entwerfen – wird noch kommen. Die andere Seite dieser Münze, ein geklonter Individualismus, wurde schon vor langer Zeit mit der Geburt der Massengesellschaft entworfen.

– Wir sind die Virtuosen unserer eigenen Erfindungen. Unser leben lang üben wir die Gesten, Regeln und Prozesse unserer Serien ein und erzeugen durch kleine Mutationen neue Potentiale für unsere Projekte. Das eigenständige künstlerische Training wird uns schon bald weit über den normalen Erfahrungshorizont hinauskatapultiert haben und von diesem Jenseits, wo unsere eigenen Regeln gelten, werden auch unsere Werke wie Sterne glühen.

– Freiheit finden wir nicht nur in der offenen Weite sondern auch im Detail der Struktur. Sie entsteht in den für andere fast unsichtbaren Spielräumen innerhalb unserer genau strukturierten Serien, in den kleinen Mutationen zwischen fast identischen Strukturen.

– Unsere Kunstproduktion besteht aus zwei Feldern und zwei Hierarchien:

  • Im sogenannten Experimentalfeld können ohne ideologischen Druck neue Ideen getestet werden.
  • Im Serienfeld werden die erfolgreichsten Tests als Erstlinge aufgenommen und zur Zeremonie der Serialisierung freigegeben.
  • Die Einzelwerkhierarchie besteht von unten anfangend aus dem experimentellen Test, dem offiziellen Erstling und dem verfeinerten Serienglied.
  • Die Gesamtwerkhierarchie besteht von unten anfangend aus dem spurartigen Einzelwerk, der zeremoniellen Serie, dem epischen Projekt und dem übergeordneten Gesamtwerk.

– Europa ist ein Epos und seine Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir ironischen Modernisten geben zu, dass der Zusammenhalt Europas wahrscheinlich nur noch mit Hilfe der Theatralik garantiert werden kann. Folglich legen wir fest: In Zukunft sollen Ironie und Pathos zusammen unser kulturelles Spannungsfeld bilden.

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